Susanne Havermeier

Von Wahlverlierern und Wahlsiegern

Lüdinghausen – „Kommunalwahl 2014: Vier Verlierer, ein Wahlsieger“, so spitzt die WN in ihrer Montagsausgabe den Wahlausgang zu. Aber die Frage sei gestattet: Wer hat bei dieser Wahl eigentlich gewonnen? Die WN fokussiert es auf die Stimmenveränderungen: Die SPD Lüdinghausen-Seppenrade konnte als einzige der angetretenen Parteien einen stattlichen Stimmenzuwachs verbuchen.

7,9 Prozent plus gegenüber 2009. Das ist doch mal ´ne Leistung! Mehr noch, das ist Balsam auf die geschundene Sozialdemokratenseele, die 2009 mit gerade mal 15 Prozent der Stimmen Vorlieb nahmen musste.

7,9 Prozent plus, für eine erkennbare sozialdemokratische Handschrift im Rat in den vergangenen 5 Jahren

7,9 Prozent plus, für eine konstruktive und aktuelle Beteiligung des Ortsvereins am städtischen Leben

7,9 Prozent plus für eine Wahlaussage „Stark und gerecht“, die den Blick nicht ausschließlich auf eine prosperierende Stadtentwicklung richtet, sondern auch darauf, dass möglichst viele daran partizipieren können.

Sind damit allein die Sozialdemokraten der Wahlsieger?

Die Mehrheit der Stimmen bei dieser Kommunalwahl hat die CDU erhalten. Wie kommt es dennoch, dass betretene Mienen am Sonntag das Bild der nach wie vor stärksten Fraktion bestimmten?

Hat verloren, wer keine absolute Mehrheit mehr hat und zukünftig bei der Entscheidungsfindung den Weg von Argumentation, Verhandlung und Kompromissbereitschaft gehen muss?

Hat verloren, wer Politik in einer Stadt machen darf, deren Bürgerinnen und Bürger sich nicht länger damit zufrieden geben, so weiterzumachen wie bisher?

– Bürgerinnen und Bürger, die bereits in den vergangenen 5 Jahren mehr als einmal bewiesen haben, dass sie sich aktiv in die Stadtpolitik einmischen und bereit sind, auch mal eine Ratsentscheidung zu bremsen?

– Bürgerinnen und Bürger, die offensichtlich so gut informiert sind, dass sie in ihrer großen Mehrheit nicht einer kritisch-destruktiven Wahlstrategie auf den Leim gegangen sind?

Es stimmt: die neuen Stimmenverhältnisse im Rat stellen alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Es muss zukünftig von allen mehr in der Sache und ergebnis-offener verhandelt werden.

Das ist aber – so meine feste Überzeugung – nicht von Nachteil und schon gar keine Niederlage, weder für die Stadt, noch für die Bürgerinnen und Bürger, und auch nicht für die Entscheidungsträger. Es wird eine neue Entscheidungskultur geben müssen. Das ist nicht schlecht, nur neu.

Und… dabei muss keiner verlieren. Dabei können wir eigentlich alle nur gewinnen!

Susanne Havermeier

Bild: SPD Lüdinghausen | Lizenz: CC BY 4.0 |

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