AKTUALISIERT +++ Stinka-Brief an Borgmann: „Gleichwohl glaube ich nicht, dass ein solches Verlagshaus nach Lüdinghausen passt.“

AKTUALISIERT! (Stellungnahme Richard Borgmanns)Hintergrund: Das im Jahr 2017 im Unternehmensregister eingetragene Unternehmen Manuscriptum verlegt Bücher zahlreicher Autoren, die als Vordenker der „Neuen Rechten“ gelten. Parlamentarisch ist die „Neue Rechte“ durch die AfD repräsentiert, in der politischen Bewegung sind allerdings auch Identitäre und langjährige Neonazis aktiv. Verschwörungstheoretiker wie Jürgen Elsässer, Rechtspopulisten wie Akif Pirinçci und auch der AfD-Parteivorsitzende Alexander Gauland veröffentlichen bei Manuscriptum und haben ihm zu Popularität in einschlägigen Kreisen verholfen.

André Stinka’s Brief an Bürgermeister Borgmann

Sehr geehrter Bürgermeister,

jüngst wurde durch die Wochenzeitung „Die Zeit“ bekannt, dass sich der neurechte Verlag Manuscriptum in Lüdinghausen an der Bahnhofstraße angesiedelt hat. Das im Jahr 2017 im Unternehmensregister eingetragene Unternehmen, dessen Gesellschafter Thomas Hoof ist, verlegt Bücher zahlreicher Autoren, die als Vordenker der „Neuen Rechten“ gelten: Verschwörungstheoretiker wie Jürgen Elsässer, Rechtspopulisten wie Akif Pirinçci und auch der AfD-Parteivorsitzende Alexander Gauland veröffentlichen hier.

Das publizistische Programm des Verlags reicht teils bis ins rechtsradikale Spektrum hinein und bietet einen theoretischen Werkzeugkasten für praktische, faschistoide Politik. Mir ist bewusst, dass das Programm des Verlags durch die Meinungsfreiheit gedeckt ist. Gleichwohl glaube ich nicht, dass ein solches Verlagshaus nach Lüdinghausen passt. Vielfalt und Zusammenhalt sowie Offenheit und Eigensinn sind in Lüdinghausen erfahrungsgemäß keine Gegensätze, sondern Aushängeschild der Stadt. Der Manuscriptum Verlag veröffentlicht allerdings vornehmlich Publikationen, die Spaltung, Ausgrenzung und sogar Hass propagieren.

Als Landtagsabgeordneter für Lüdinghausen bitte ich Sie, sich öffentlich hierzu zu positionieren. Selbstverständlich hat der Manuscriptum Verlag ein Recht, sich in Lüdinghausen niederzulassen. Allerdings sollten auch Sie, sofern Sie meine Einschätzung teilen, öffentlich darauf hinweisen, dass der Manuscriptum Verlag kein erwünschtes Unternehmen ist.

AKTUALISIERT +++ Gegenüber den Westfälischen Nachrichten gibt Bürgermeister Richard Borgmann an, erst durch die Mitteilung Stinkas von den Details zum Verlag erfahren zu haben. Er selbst lese solche Bücher nicht und bedauert, dass diese dort verlegt würden.

  • sa_1393342259andre_stinka_spd: SPD

Über Niko Gernitz

Niko Gernitz ist Vorsitzender der SPD und Stadtverordneter in Lüdinghausen. Er ist Mitglied des Unterbezirksausschusses der SPD im Kreis Coesfeld.