SPD wählt Team für 2020

Die SPD hat in Lüdinghausen einen neuen Vorstand gewählt. „2020 wollen wir gewinnen“, ruft der neue und alte SPD-Ortvsereinsvorsitzende Niko Gernitz als Ziel aus. In seinem Vorstand versammeln sich (Foto v.l.) Michael Spiekermann-Blankertz, Karl-Heinz Kocar, Lukas Gernitz, Jerome Biehle, Kathrin Vierhaus, Niko Gernitz, Dieter Weniger, Natalie Geist, Christian Ehring, Carsten Rabenschlag, Josephine Kleyboldt und Dirk Havermeier (nicht im Bild: Dagmar Stallmann und Kors Barendregt).

Auszug aus Gernitz‘ Rede zu zwei Jahren Vorstandsarbeit:

Sehr geehrte Gäste, liebe Genossinnen und Genossen,
entsprechend der Satzung des SPD Ortsvereins Lüdinghausen obliegt es dem Ortsvereinsvorsitzenden vor der Entlastung des Vorstandes einen Bericht abzugeben. Womit soll in diesen Zeiten ein Bericht beginnen und was soll ein Bericht erklären, wenn es für manche Inhalte dieses Beitrags nicht einmal eine Erklärung im Willy-Brandt-Haus gibt, eine Antwort durch unseren Parteivorstand oder ein einheitliches Bild aller Mitglieder in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.

Liebe Genossinnen und Genossen,
die momentane Situation ist keine gute Situation. Den alleinigen Grund dafür wird man nicht allein in dem Eingehen der Großen Koalition finden, sie wird man nicht in den Sympathiewerten unseres Spitzenpersonals finden und sie wird man auch nicht in den vielen unterschiedlichen Kommentaren der Zeitungen, Online-Medien und schon gar nicht in 140 Zeichen bei Twitter finden. Sehr wahrscheinlich findet sich viel Wahrheit in der Mitte dieses unübersichtlichen Wirrwarrs der Kritiken, aber diese Wahrheit ist zumeist keine Lösung – schon gar keine Lösung für diesen Ortsverein.
Unser Vorstand hat in dieser Konstellation nun zwei Jahre hinter sich gebracht, die viele Höhen und Tiefen mit sich brachten. Wir vermeldeten Eintrittsrekorde nach der Wahl von Trump, der Kandidatur von Martin Schulz und zum Mitgliederentscheid der großen Koalition. Liebe Genossinnen und Genossen, was ist davon übriggeblieben? Ich muss euch heute leider antworten: Im Schnitt wenig, aber menschlich viel.

Wir freuen uns über jedes neue Mitglied in unseren Reihen. Manch ein neues Mitglied aus dieser Zeit sitzt heute schon im Unterbezirksvorstand. Viele Neumitglieder haben den Kontakt zum Ortsverein gesucht, mit uns über die große Koalition, die Rolle der AFD und die Auswirkungen der Trumpschen Egozentrikerpolitik diskutiert. Der Ortsverein ist jünger geworden. Das Durchschnittsalter liegt deutlich unter dem Parteidurchschnitt. Doch es ist auch das eingetreten, was ich auf der Mitgliedervollversammlung vor zwei Jahren vorgestellt habe: Die demografische Zusammensetzung der Mitgliedschaft unseres Ortsvereins wird in den Zahlen deutlich sichtbar. Wir mussten hier in Lüdinghausen viele Todesfälle betrauern. Zuletzt den Tod unseres verdienten und ehrgeizigen Genossen Horst Wolske. Neben ihm sind 11 Genossinnen und Genossen von uns gegangen. Das sind mehr Sozialdemokraten, als neue zu uns gekommen sind und etwa eben so viele, wie aus eigenen Stücken die Reihen der Sozialdemokratie verlassen haben. Die allermeisten waren nie in der SPD engagiert, aber auch eine ehemalige Ratsfrau ist schon vor einiger Zeit ausgetreten. Die meisten Austritte beklagen wir aber in den letzten Monaten. Rückmeldungen sagen oft, es gäbe eine wunder bar menschliche, sympathische und inhaltlich-klare Partei vor Ort, aber man wolle nicht Mitglied in einer Partei wie der Bundes-SPD sein, die so unsympathisch und ziellos wirkt. Die Verärgerung ist groß und auch viele gestandene Genossinnen und Genossen zweifeln.

Zweifel kamen auch im Vorstand auf. Das Kräfte-zehrende Wahljahr 2017 mit der verlorenen Landes- und Bundestagswahl ist wohl eine starke Demarkationslinie gewesen. Überall werden berechtigte Rufe nach Erneuerung laut und wir fragten uns im Gespräch mit dem Unterbezirk ebenso, wie es um dieses Erneuern bei uns steht. Zum einen muss man sagen, dass ein Ortsverein mit immer weniger Mitgliedern – bei absehbar weiterer demografischer Verschärfung – kaum personelle Rückgriffe möglich sind. Der Frage „Wer macht es?“ stellt sich oftmals die Folgefrage „Wen gibt es überhaupt für diese Position?“. Ich bin sehr froh, dass wir diese Fragen schon vor einigen Jahren Schritt für Schritt beantwortet haben. Natürlich war es auch eine Herausforderung, wenn ein junger Ortsvereinsvorsitzender, wie ich es war, mit 21 Jahren in das eiskalte Bad der Findung einer Bürgermeisterkandidatur gestoßen wird, um gleich in der Folge einen höllenheißen Wahlkampf zu führen, der dann auch noch knapp verloren ging. Dennoch hat dieser Ortsverein sein Vertrauen neuen Gesichtern, darunter auch jungen Gesichtern geschenkt. Wir stehen in diesem Vorstand eng zusammen und das jung neben alt, jeder mit seinen Stärken und jeder mit aller organisatorischer Kraft, die das moderne Leben nun einmal abverlangt. Ich möchte mich daher bei allen Vorstandskolleginnen und -kollegen bedanken. Wir haben die zwei Jahre wirklich gut gemeistert.

Aber natürlich ist unsere Arbeit auch nur ein Ehrenamt, da läuft nicht alles perfekt. Man macht Fehler oder es gibt Dinge, die wollen noch geklärt werden, weil nicht alles auf die Schnelle geht. Auch das Thema Neumitgliederwerbung stellt sich gesamtstrukturell schwierig dar. Der Online-Auftritt besteht, aber er lebt auch nur, wenn er belebt wird. Dies ist ebenfalls eine Aufgabe, die wir uns immer wieder stellen, aber immer noch nicht sauber lösen. Der Anlauf für einen SPD-Stammtisch versiegte bereits beim zweiten Termin, aber wir haben auch viel Gutes zu berichten.
Die Fraktions- und Vorstandsfahrt nach Erfurt, Jena und Leipzig war ein voller Erfolg. Die Wahlkämpfe 2017 verliefen organisatorisch reibungslos. Die Diskussionen in der Mitgliedschaft fanden in den Neujahrsempfängen und offenen Vorstandssitzungen einen offenen Platz. Besuche in der Familienbildungsstätte, bei Euro-Alkohol, bei SolaWi, im Biologischen Zentrum und bei Edles Fleisch zeigten unsere Präsenz. Die finanziellen Rücklagen für eine erfolgreiche Kommunalwahl 2020 sind gemacht und weiter geplant. Die Stever-Jusos sind wieder begründet worden und zeigen sich bei Aktionen, zB auf dem vergangenen Stadtfest, richtig aktiv. Bereits im Dezember werden wir zudem in Lüdinghausen ein Seminar zum Sozialen Zusammenhalt der Friedrich-Ebert-Stiftung haben, zu dem ich alle Mitglieder herzlich einladen möchte.

Liebe Genossinnen und Genossen,
trotz aller Sorgen und Zweifel: Wir sind in Lüdinghausen gut aufgestellt. Natürlich geht uns die sog. „Manpower“ in Teilen verloren, daher muss auch mal umgedacht werden. Wir haben aber dennoch viel Erneuerung umgesetzt. Wir sind bereit, für Lüdinghausen und Seppenrade politische Verantwortung zu übernehmen. Wir sind eine offene Partei in diesem Ort. Die Menschen merken, dass es uns nicht um uns selbst geht, sondern um das solidarische Wohl aller Bürgerinnen und Bürger in dieser Stadt. Ich möchte auch die nächsten zwei Jahre für diese Idee stehen und kämpfen. Der neue Vorstand möchte Wahlen gewinnen, das wird unsere Hauptaufgabe.

Über Niko Gernitz

Niko Gernitz ist Vorsitzender der SPD und Stadtverordneter in Lüdinghausen. Er ist Mitglied des Unterbezirksausschusses der SPD im Kreis Coesfeld.