SPD unterstützt Zuschuss an Tierfreunde für medizinische Behandlungen

Lüdinghausen – „Gefunden“ oder „herrenlos“, diese Kriterien entscheiden in Lüdinghausen, ob ein aufgegriffenes Tier in die Zuständigkeit der Stadt (Fundbüro) fällt, oder ob sich die Stadt einer Zuständigkeit und der Fürsorge für das Tier entziehen kann. Diesen Sachverhalt erklärten Maria Eichel, Sandra Grüter und Dr. Thomas Ebke von den Tierfreunden Lüdinghausen & Umgebung e.V. in einem Treffen mit der SPD Fraktion am letzten Montag.

Über 55 Katzen, allein aus Lüdinghausen, fanden im Jahr 2014 (2013/36, 2012/17) Unterschlupf bei den Tierfreunden in Bechtrup – bei einer Kapazität von nur ca. halb so vielen Tieren, bedeutete das eine kontinuierliche Überbelegung des Katzenhauses und eine finanzielle Auszehrung des knappen Budgets des Vereines, welches ausschließlich aus privaten Mitteln bestritten werden muss. Aber Einnahmen aus veranstalteten Festen, Mitgliedsbeiträge, Vermittlungsgebühren und Spenden reichen bei weitem nicht mehr aus, um die Kosten zu decken.

Die Tierfreunde haben die Stadt Lüdinghausen deshalb um einen Zuschuss von EUR 10.000 gebeten – welcher von der Verwaltung aber unter Hinweis auf die durch einen Vertrag mit einer privaten Hundepension in Nordkirchen erfüllten ordnungsrechtlichen Verpflichtungen zur Annahme von „Fund-Tieren“ abgelehnt wurde.

Nun ist die Unterscheidung, ob ein Tier „gefunden“ wurde oder „herrenlos“ ist, keiner Bürgerin und keinem Bürger einfach zu vermitteln. Selbst die Frage ob das Tier zahm ist oder ein Halsband trägt, ist dabei offensichtlich häufig nicht maßgeblich. So stehen die Tierfreunde nicht nur oft vor der Herausforderung Finder abweisen zu müssen, weil ein Tier nach ihrer Ansicht die Kriterien erfüllt um in die Obhut des Fundbüros zu gehören, sondern auch die Tiere zu versorgen, die diese Kriterien nach Ansicht der dort zuständigen Sachbearbeiter nicht erfüllen.

Oft sind die zu den Tierfreunden gebrachten Tiere krank, leiden an Katzenschnupfen, Knochenbrüchen oder an Nierenerkrankungen. Und in fast allen Fällen sind sie nicht kastriert.

Die Fraktionsmitglieder hatten viele Fragen an Frau Eichel, Frau Grüter und Herrn Dr. Ebke – am Ende des Treffens war Konsens, dass die Stadt ihre Verantwortung für den Tierschutz nicht nur auf den ordnungsrechtlichen Rahmen beschränken darf. Ob Tiere nun ausgesetzt wurden, ob sie entlaufen sind, oder „herrenlos“ – immer handelt es sich um ein von Menschen verursachtes Problem. Das die Zahl der aufgefundenen Katzen im Tierheim in einer derartigen Quote zunimmt, macht den Handlungsbedarf umso vordringlicher.

„Tierschutz ist nicht nur eine kommunale Pflicht – da sieht sich die Stadt auf der „sicheren Seite“ und das ist ein Sachverhalt, dessen Erfüllung wir in der gelebten Praxis hinterfragen werden. Der Tierschutz macht aber beim „Ordnungsrecht“ nicht halt, sondern hat nach Art.20 GG auch Verfassungsrang. Und da können wir unsere Verantwortung für Kreatur und Umwelt nicht an das private und vor allem auch finanzielle Engagement durch Einzelpersonen delegieren. Da sind wir als Bürger und als Verwaltung auch für jedes einzelne Tier verantwortlich.“ So bezog Michael Spiekermann-Blankertz auf den Vortrag der Tierfreunde Stellung.

„Wir können nachvollziehen, dass die Stadtverwaltung sich auf das Ordnungsrecht beschränkt – aber wir können uns als politisch Verantwortliche eben nicht darauf zurückziehen. Wenn wir ordnungsrechtlich keinen Handlungsbedarf haben, dann haben wir aber einen moralischen – und den beziehe ich vor allem auf die medizinische Versorgung der Tiere. Deshalb werden wir dem Rat vorschlagen den Tierfreunden keinen „allgemeinen Zuschuss“ zu gewähren, sondern diesen Zuschuss in der vorgeschlagenen Höhe dezidiert auf die tierärztlichen Kosten zu beziehen. Diese zu belegen wird den Tierfreunden nicht schwerfallen und ist für die Stadtverwaltung transparent.“

Susanne Havermeier nahm einen weiteren Aspekt aus der Diskussion auf und fand: „Abgesehen von der Tatsache, dass ich als Lüdinghauserin ein Tierheim in meiner Stadt erhalten will, müssen wir uns die Zahlen mal genau ansehen. Denn dann sehe ich auch einen politischen Handlungbedarf. Es kann ja so nicht weitergehen! Einer Katzenschwemme dieser Art ist vermutlich nicht anders beizukommen, als durch eine Pflicht zur Kastration von freilaufenden Tieren. Mit der Frage muss sich die Stadt, aber vor allem auch der Kreis Coesfeld auseinandersetzen, wenn wir hier nachhaltig eine Verbesserung erzielen wollen. Die Zeiten von „alle in den Sack und ab in den Kanal“ kann ja wohl wirklich keiner wieder haben wollen!“

Am 26. März wird der Stadtrat über den Antrag der Tierfreunde entscheiden.


Mehr Informationen: http://www.tierschutzverein-luedinghausen.de

und auf der Facebook Seite der Tierfreunde

Über NetzWerkStadt

Hier schreibt die Redaktion des Netzwerk-LH. Dieses ist ein gemeinsames Profil unserer Redakteure, genutzt für Beiträge, die wir von Quellen übernehmen, die nicht auf dem Netzwerk Mitglied sind, oder für Beiträge anderer allgemeiner Art.

Kommentar verfassen