Meinung: Die Lüdinghauser Container Kids

Lüdinghausen – Im Kindergarten St. Monika am Hüwel werden nun die Erweiterungen der U3 Kapazitäten vollendet, auch in St. Elisabeth wird zur Zeit noch schwer gebaut und in den meisten anderen Einrichtungen aller Träger von Kindergärten und Krippen in der Stadt. Denn alle Einrichtungen arbeiten im Bereich der Kinder über drei Jahren längst an oder jenseits der Kapazitätsgrenze. Das bedeutet: Sie betreuen weit mehr Kinder als geplant.

Da stellt sich doch die Frage: Warum ist das so? Und: Wer „plant“ da eigentlich?

Dass Lüdinghauser Kinder nun in Kindergarten „Containern“ untergebracht werden können, kann den latenten Engpass an Betreuungsplätzen im so genannten „Ü3-Bereich“ möglicherweise kurzfristig lösen. Für die pragmatische Lösung die von den Trägern der Einrichtungen erst ermöglicht wurde, ist diesen an erster Stelle für ihre besondere Flexibilität und ihren Einsatz zu danken – denn selbstverständlich ist das nicht!

Doch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass es der Stadt Lüdinghausen offensichtlich nicht gelingt, die allgemeine Infrastruktur gemeinsam mit den in großer Zahl vermarkteten Baugebieten vorausschauend zu entwickeln. Ein Fakt, der zu mehr Fragen führt, als die kurzfristige Lösungen an diesem akuten Mangel befriedigend beantworten können. Denn wie lang soll das noch so weiter gehen?

In den WN ließ sich die städtische Beigeordnete Christine Karasch (CDU) wie folgt zitieren: „Der Stadt wird es gemeinsam mit den Trägern gelingen, das sich abzeichnende Problem zu lösen. Da mache ich mir keine Sorgen.“

Man könnte provozierend und ideologisch fragen, ob der Mangel an Kindergartenplätzen vielleicht etwas mit dem aus der Zeit gefallenem Familienbild großer Teile der Union zu tun hat? Die Herdprämie, welche die Mütter ins Haus und die Kinder in den Sandkasten hinter demselben verbannen will, ist ein Zeugnis dafür.

Doch Provokation führt – insbesondere in Wahlkampfzeiten – selten zur Lösung von Problemen, sondern verhindert nur ihre offene Diskussion und Lösung. Container-Kinder sind keine Lösung, sondern Anlass zu ganz anderen Sorgen!

Sicher ist: Die Stadtverwaltung und der Kreis haben sich entscheidend verrechnet! Der Fokus der Familienpolitik und des KiBiz lag (politisch gewollt) auf den U3 Kindern, die jünger als 3 Jahre alt sind.

Es kann aber heute keine Überraschung sein, dass eben diese Kinder nach der Krippe dann in einen Kindergarten wechseln wollen, weil Mütter und Väter sicher nicht mit dem Erreichen des dritten Lebensjahres ihre Berufstätigkeit einstellen, um die Betreuung des Nachwuchses weiter sicherzustellen.

Die, angesichts des demografischen Wandels, absolut positive Entwicklung des überdurchschnittlich hohen Zuzugs junger Familien mit Kindern in unsere Stadt, war das erklärte Ziel der Lüdinghauser Politik. Doch schon damit hat sich das Problem abgezeichnet. Nun steht sie vor den Konsequenzen der Tatsache, diese Strategie nicht bis zum Ende durchdacht und nicht auch mit der pro-aktiven Entwicklung der Infrastruktur flankiert zu haben.

„Durch große Anstrengungen seitens der Stadt werden alle 3jährigen Kinder aber in diesem Jahr einen Platz bekommen.“ schreibt die CDU. „Mit diesen Ergänzungslösungen sind wir bis zum Jahre 2016 gut auf dem Weg. Danach muss man weiter sehen“, sprach Christine Karasch noch vor wenigen Tagen erst wieder zu den WN.

Ich denke, mit diesen Containern haben „wir“ nur ein weiteres Feuer gelöscht – und hoffen einfach darauf, dass bis und nach 2016 keine neuen ausbrechen… Frau Karasch geht hier pfeifend durch den Wald. Denn am 25. Mai sind Kommunalwahlen!

Eine vorausschauende Familienpolitik muss pro-aktiv attraktive und effektive Angebote für junge Familien entwickeln – besonders um eben die Entwicklung auch in die erwünschte Richtung zu steuern und die Freiheit der Eltern bei der Auswahl des Kindergartenplatzes zu gewährleisten. Doch was Lüdinghausen tut, das ist nur re-aktiv auf Krisen zu reagieren – die man selbst zu verantworten hat.

Wenn die Stadt dann – mit den eben gerade beantragten weiteren vier Millionen Euro – noch weitere Baugebiete erworben und erschlossen hat, geht das nur dann gut, wenn wir in Lüdinghausen zu einer Ein-Kind Politik kommen, wie wir sie aus China kennen. Denn die Container-Kinder von heute und die neuen Lüdinghauser von morgen bekommen vielleicht ja auch noch Geschwister?

Aber da wären wir wieder beim Familienbild der Union – und da wollten wir mit diesem Beitrag ja eigentlich gar nicht hin.


Dieser Meinungs-Beitrag ist ein Kommentar unseres NETZwerk-Redakteurs Klaus Böttger, zuerst erschienen auf dem WestfalenBLOG.DE. Dieser Beitrag hat nicht den Anspruch, Position oder Beschlusslage der SPD in Lüdinghausen wiederzugeben. Aber er möchte zur Diskussion einladen. Denn auch ihre Meinung zum Thema ist uns wichtig und willkommen!

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(Bild: Jason Sandeman/Flickr)

  • Programm Wordle: SPD Lüdinghausen | CC BY 4.0

Über Klaus Böttger

Klaus Böttger ist Redakteur / Webmaster dieser Seite und außerdem Beisitzer im Vorstand der SPD in Lüdinghausen. Sein "Digitales Manifest" findet sich hier. Er bloggt unter anderem auch auf http://westfalenblog.de