Maggiwerk Lüdinghausen: Wenn der eiskalte Kapitalismus vor der Haustür steht

Auf ihrer Mitgliederversammlung am Mittwoch solidarisierten sich die SPD-Mitglieder mit den Angestellten des örtlichen Maggiwerks und anderen Nestlé-Standorten in Deutschland. Ortwin Tork und Manfred Sträter, Vertreter der zuständigen Gewerkschaft Nahrungsmittel-Genuss-Gaststätten (kurz NGG), berichten vom unsinnigen Plan eines Rendite-getriebenen Großkonzerns.

Dabei sei die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen groß. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möchten gerne weiterentwickeln und Innovationen an der eigenen Produktmarke voranbringen. In der Vergangenheit zeigte sich aber, dass dies vom Mutterkonzern Nestlé nicht honoriert wird: Produktneuentwicklungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Singener Werk wurden zwar für gut befunden, aber anschließend nach Osteuropa ausgelagert.

Ein ähnliches Denkmuster folgt nun für den Standort Lüdinghausen. Da ein amerikanischer Investor Rendite-Erwartungen von 18,5% anstellt, müssen u.a. am Werksstandort Lüdinghausen rd. 5 Millionen Euro eingespart werden. Dazu sollen Betriebsteile ins Ausland verlagert werden. Im Ablauf der Produktproduktion mache dies aber keinen Sinn, berichten die Gewerkschafter; vielmehr sorge dies für ein hohes Risiko an Gewinnmargeneinbußen, weil Produktionsabläufe erheblich gestört würden oder auf diese Weise kaum zu organisieren wären. Um eine Vielzahl der knapp 100 betroffenen Arbeitsplätze in Lüdinghausen zu schützen, entwickelte der Betriebsrat sogar einen eigenen sozialverträglichen Plan, der die Einsparungen ermöglicht. Doch Nestlé blockt ab.

Die hohen Gewinnwünsche der Konzernleitung erregten zuletzt auch die Aufmerksamkeit des Edeka-Handelskonzerns, der eine Vielzahl der Nestlé-Produkte auslistete, da er meinte, dass bei einer Marge von 18,5% aus dem Verkauf von Suppenterrinen sicherlich auch Potential beim Handelspreis für den Einzelhändler bestehe. Auch in Lüdinghausen sorgte dies für einen spürbaren Rückgang in der Produktionsnachfrage. Ein klarer Management-Fehler, denn die bisherigen 5% Gewinnmarge reichen offensichtlich nicht aus. Nun geht es auf dem Rücken der Arbeiterinnen und Arbeiter weiter. Die Lüdinghauser SPD versammelte sich daher gemeinsam hinter dem Slogan „Mensch vor Marge“!

Über Niko Gernitz

Niko Gernitz ist Vorsitzender der SPD und Stadtverordneter in Lüdinghausen. Er ist Mitglied des Unterbezirksausschusses der SPD im Kreis Coesfeld.

One thought on “Maggiwerk Lüdinghausen: Wenn der eiskalte Kapitalismus vor der Haustür steht

  1. Herzlichen Dank für Euer Interesse!

    Wir hoffen Ihr haltet das Soziale in der Marktwirtschaft im Auge und beschäftigt Euch mit der Macht der Konzerne.
    Die Arbeitnehmer werden immer mehr zum Spielball und müssen sich immer mehr grenzüberschreitend Organisieren. die Möglichkeiten dazu sollten von der Politik verbessert werden. Die Betriebsräte in Europa haben leider noch zu Unterschiedliche Möglichkeiten bis hin zu gar keine.

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