Es geht um ein Kino für Lüdinghausen

In der vergangenen Ratssitzung wurden zwei Kino-Projekte zweier Investoren vorgestellt. Diese werden in der Öffentlichkeit nun breit diskutiert. Dabei geht es kaum mehr um das Kino. Alle Welt redet über Kindergärten.

Die Variante 1 der Apollon GmbH&Co.KG sieht auf dem Bau des Rewes einen Kindergarten vor. Das Kino bleibt in der Form von fünf Kuben im Norden des Grundstücks ähnlich bestehen, wie es beim ersten Aufschlag schon dargstellt wurde. Als örtlicher Investor hat die Apollon natürlich ein Gespür für die Bedürfnisse der Stadt und weiß um die Not an Kindergartenplätzen vor Ort. Andererseits ist es auch ein gewisser Informationsvorteil, den man zu nutzen wusste. Nach der Abgabe der Interessensbekundung wurde das Projekt angepasst. Kino und Rewe scheinen bei dem 10,5 Mio. Euro (Quelle WN) Projekt in trockenen Tüchern. Ein Bild dazu finden Sie hier.

Der Vorschlag zur Errichtung eines Kindergartens brachte den Beigeordneten auf den Plan. Herr Kortendieck erläuterte den Bedarf an Kindergärten. Auch in aktuellen Presseartikeln spricht er sich daher bevorzugt für diese Variante aus, weil bereits heute ein Übergangskindergarten mit Containern an der Stelle besteht. Ob aber ein Kindergarten auf einem Dach (umgeben von Parkplätzen) von den Lüdinghausern auch angenommen wird, ist fraglich. Durch diesen Einschub der Stadtverwaltung lenkte zudem die ganze Diskussion auch von der Frage nach einem Kino ab, da sich alles nur noch um die Not an Kindergartenplätze drehte. Einem Vorschlag deshalb den Vorzug zu geben, wäre durchaus einsilbig.

Es wurde aber noch ein weiterer Kindergartenstandort betrachtet. Es ist auch möglich, dass am Hallenbad recht abgelegen eine Kita gebaut werden könnte. Dieses Gebiet ist noch nicht mit Kindergärten erschlossen und wird in den kommenden Jahren einen Generationenwechsel erfahren.
Dieser Kindergartenstandort müsse gewählt werden, wenn die Variante 2 der Investorengruppe Lorenz & Assmann (Titelbild) zum Tragen käme. Nach ihren Plänen entstünde ein größerer Kompaktbau mit Kino, Rewe, Fitnessstudio, Tiefgarage und seniorengerechte Mietswohnungen. Man ist bereit rd. 25 Mio. Euro in Lüdinghausen zu investieren. Am Ende der Sitzung räumte dieser Investor ebenso ein, Wohnungen durch einen Kindergarten zu ersetzen. Die Diskussion hatte sich also verschoben. Allerdings berichtet der beauftragte Rechtsanwalt der Stadt in der örtlichen Presse, dass der Investorengruppe nicht mehr viel Zeit für Umplanungen bliebe.

Beide Projekte haben ihre Vor- und Nachteile. Allerdings ist es auffällig, wie wenig in der Diskussion über ein Kino gesprochen wurde. Das gilt vor allem für den Austausch in der Öffentlichkeit. Auch der optische Aspekt rückt beiseite. „Neben einem schmucken Giga-Bau (Lorenz und Assmann) steht ein lockerers Gebilde aus monotonen Klinkerquadraten (Apollon) zur Auswahl“, findet SPD-Ratsherr Gernitz. Dass wir überhaupt so starke Vorschläge haben, liegt laut SPD-Fraktionssprecher Michael Spiekermann-Blankertz „am Druck aus der Opposition“. Beide Projekte sind möglich und beide Projekte würden Lüdinghausen ein neues Kino an der Konrad-Adenauer-Straße bringen.

Verschiendene SPD-Stadtverordnete monierten aber, dass durch den starken Bezug auf die Kindergartenproblematik – sowohl in der öffentlichen Ratssitzung als auch in zusätzlichen, neuesten Presseinterviews – die Verwaltung unlängst für sich eine Entscheidung getroffen habe und die Stadtverordneten von den Vorzügen einer Variante überzeugt werden sollten. Ein Grüner Stadtverordneter fragte zum Ende der Sitzung: „Geht es hier um einen Kindergarten nebst Kino?“ Die Bürger/innen im Publikum reagierten mit Applaus. Die SPD wird sich für ihre Beratungen auf beide Modelle einlassen und die bessere Wahl treffen. Es geht schließlich um den großen Wunsch der letzten Jahre: Ein Kino für Lüdinghausen mit Perspektive und im Einklang mit der Innenstadt.

Die Projekte werden genauer in einem WN-Artikel vorgestellt.

Über Niko Gernitz

Niko Gernitz ist Vorsitzender der SPD und Stadtverordneter in Lüdinghausen. Er ist Mitglied des Unterbezirksausschusses der SPD im Kreis Coesfeld.

4 thoughts on “Es geht um ein Kino für Lüdinghausen

  1. Nachdem wir der Entscheidung politisch unterlegen waren, eine subzentrale Einzelhandelsausweitung zum Schutz der Innenstadt zu verhindern, werde ich heute dennoch dem Ansatz zustimmen, ein Kino für Lüdinghausen umzusetzen und das Grundstück an der Konrad-Adenauer-Straße einem Investor zu verkaufen, um die Mitbestimmungsmöglichkeit bei der Ausgestaltung dieses Geländes zumindest in Teilen zu behalten. Dabei steht für mich fest, dass wir an der Stelle keinen Kindergarten in einem Dachgeschoss brauchen. Dies ist ausdrücklich nicht Wunsch der Eltern und Erzieher/innen, die in den vergangenen Wochen an mich und unsere Fraktion herantraten. Wir brauchen Kindergartenplätze, aber hier müssen wir bessere Möglichkeiten anbieten, die auf jeden Fall unkritisch angenommen werden und u.U. sogar noch schneller sowie langfristiger umsetzbar sind.

  2. „Fetisch Kino“ – oder – „Der Zweck heiligt die Mittel“

    Lüdinghausen braucht ein Kino, Lüdinghausen will ein Kino – dafür gibt es von Allen umfassende Zustimmung.

    Wennn alles so einfach wäre, hätte Lüdinghausen längst ein Kino. Tatsächlich ist ber der versuch bereits zweimal gescheitert. Ein Kino mit 600 Plätzen braucht ca. 300 Besucher täglich. Die muss Lüdinghausen erst einmal liefern, denn auf großartige Besucherströme aus Senden oder Ascheberg darf man nicht hoffen.

    So schwer es fällt, aber man muss bei der Entscheidung für eine bestimmte Architektur dieses Kinos auch die Möglichkeit des Scheiterns und die dann erforderlich werdende Folgenutzung mitbedenken.

    Das Kino gibt es nur im Zusammenspiel mit einem Supermarkt. Als an diesem Standort die Fläche für großflächigen Einzelhandel ausgewiesen wurde, dachte man an Waren aus dem mittel- bis langfristigen Bedarf wie z.B. Textilien, Schuhe, Haushalts- oder Elektroartikel. Durch zusätzliche Kunden direkt am Rand der Innenstadt wollte man die Innenstadt zusätzlich attraktiv machen und stärken. Nun soll es also ein Lebensmittel-Supermarkt werden.“Ist doch auch gut und Konkurrenz belebt das Geschäft“ könnte man meinen. Aber übermäßige Konkurrenz kann auch bestehende funktionierende Versorgungsstrukturen ruinieren. Eine Untersuchung zu dieser Fragestellung gibt es nicht.

    Laut Einzelhandelsgutachten hat Lüdinghausen bei Lebensmitteln eine Kaufkraftbindung von 109%. Das bedeutet, dass keine „abfließende Kaufkraft“ nach Lüdinghausen zurückgeholt werden kann, sondern der Umsatz nur durch Umverteilung von den bestehenden Discountern, Supermärkten, Bäckern, Metzgern, Marktbeschickern usw. erzielt werden kann. Es geht dabei um eine Umverteilungssumme von mehreren Millionen Euro im Lebensmittelbereich und von einigen Hunderttausend Euro im Non-Food-Bereich. Und das durchaus kritisch werden. Wenn dadurch nur 2 – 3 zusätzliche Leerstände in der Innenstadt entstehen oder 2 – 3 Marktbeschicker weniger auf dem Wochenmarkt auf der neuen Marktplatte stehen, ist die Attraktivitätssteigerung für die Innenstadt nur noch ein frommer Wunsch.

    Lüdinghausen braucht weitere Kindergartenplätze. Das ist richtig, aber muss man deshalb einen Kindergarten in das erste Obergschoss über einem Supermarkt bauen?

    Die Mütter schleppen ihre U3-Kinder im Maxicosy die Treppe rauf in die KiTA. Die Alarmpläne orientieren sich am Altenpflegeheim mit bettlägerigen Bewohnern? Und die Spielfläche des Kindergartens ist ein „Dachgarten“ über dem Parkplatz des Supermarktes in der Ablauftfahne der Bundesstrasse! Vielleicht sollte man erst einmal bei potentiellen Kindergartenträgern fragen ob das ihren pädagogischen Zielsetzungen entspricht. Und die Eltern? Junge Famlien ziehen aus der Großstadt „ins Grüne“, bauen hier ihr Eigenheim um dann die Kinder unter diesen Bedingungen betreuen zu lassen?

    Lüdinghausen ist keine Großstadt sondern eine kleine Stadt im ländlichen Raum.Großstadt-Konzepte sind hier falsch. Wie haben Platz genug um einen ordentlichen Kindergarten in einem kindgerechten Umfeld zu bauen. Und der Wunsch nach einem Kino sollte nicht auf Kosten unserer Kinder verwirklicht werden.

    Der Zweck heiligt nicht alle Mittel !!

    1. Danke Bernd!

      Dein Einwurf repräsentiert für mich eine absolut notwendige Stimme der nüchternen Vernunft! In einer Diskussion die lange schon lange nicht mehr tatsächlich um die Zukunft von Lüdinghausen geführt wird, sondern nur noch um die unterschiedlichen Interessen unterschiedlich großer und unterschiedlich einflussreicher Gruppen.

      Im Grunde repräsentiert diese Diskussion also: Den Kern von Politik.

      Frustrierend ist allerdings, dass sich die Diskussion nur noch um unterschiedliche Entwürfe des selben Projektes – und die Sauberkeit des diesen Entwürfen zu Grunde liegenden Verfahrens dreht. Dafür gibt viele Gründe. ALLE sind der näheren Behandlung wert. Doch die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Projektes geht in der Behandlung des Themas unter.

      Sie findet – in meiner Wahrnehmung – einfach nicht mehr statt!

      Und so streiten sie über Kindergärten, ihren Lieblingssupermarkt, die offizielle und informelle Nähe zu-, und die Bevorzugung und Benachteiligung von Investoren durch – Bürgermeister und Stadtverwaltung und (wenn der Rat sich dem Projekt, egal in welcher Ausformung, nicht grundsätzlich entgegenstellt) ermöglichen so eben genau das, was die Kernidee _ALLER_ Kinopläne ist – und was du, sehr zutreffend beschrieben hast:

      Das Einkaufszentrum am Rande der Innenstadt.

      So wird es kommen! Denn dem Vorwurf ganz grundsätzlich “Dagegen” zu sein wird sich wohl kaum ein Entscheidungsträger mehr aussetzen wollen. Denn “Alle wollen ein Kino!” Und so wird die Lüdinghauser Politik vom Bürgermeister am Nasenring durch die Arena gezogen…

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