Glyphosat: Der Ausstieg aus dem Ausstieg

Lüdinghausen – Im April 2016 beschloss eine Mehrheit im Bauausschuss der Stadt Lüdinghausen, dass zukünftig kein Glyphosat und keine weiteren Totalherbizide auf städtischen Flächen eingesetzt werden dürfen. Nun wurde das Thema erneut beraten und aus dem Ausstieg von der Verwendung schädlicher Pflanzenschutzmittel wurde der Ausstieg aus dem Ausstieg: Glyphosat darf wieder verwendet werden.

Für den normalen Bürger ist die Verwendung des Mittels nur unter strengen Auflagen erlaubt und deshalb gar nicht so geläufig. Auch die Mitarbeiter des Bauhofs müssen für die Anwendung solcher Umweltgifte geschult und ausgebildet werden, was auch erfolgreich geschieht. Dennoch zeigt dieser Umstand, dass Glyphosat nicht zu unterschätzen ist. Nicht ohne Grund verzichten viele andere Städte und Kommunen in NRW auf das Pflanzenschutzmittel; darunter z.B. die Stadt Münster.

Daher beschloss der Bauausschuss im April 2016 auf Grundlage des Bürgerantrags des BUND mit den Stimmen von SPD, Grüne, UWG und eines Abweichlers der CDU das Ende der Anwendung des Mittels durch die Stadt Lüdinghausen auf ihren Flächen. Wie Berichte, Anfragen und Niederschriften belegen, wurde bis dahin an vielen Stellen Pflanzenschutzmittel in Lüdinghausen angewandt.

Diese Präsentation setzte sich auch im aktuellen Bauausschuss fort. Die Verwaltung präsentierte den Pflegerückstand bei den städtischen Grünanlagen. An Orten wie Friedhofswegen, Plätzen, Straßenseiten und in Wohngebieten wuchert es derzeit stärker als gewöhnlich, da die Pflanzenschutzmittel nicht mehr eingesetzt werden können. Um die Mehrarbeit leisten zu können, müssten die Totalherbizide wieder zugelassen werden.

Für die SPD stellte sich diese Frage jedoch nicht. Ein solch großflächiger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kann für Mensch und Natur nicht gesund sein. Die Verwaltung verwies darauf, dass man zum Ausgleich drei weitere Stellen beim Bauhof schaffen müsse. Daher ließ sich für die Sozialdemokraten im Umkehrschluss erkennen, dass der Bauhof personell stark ausgelastet, wenn nicht überlastet ist. An der Stelle steht somit der Einsatz von Glyphosat einem stärkeren Personalbedarf gegenüber.

Offener zeigt sich die SPD bei der Anwendung von Glyphosat bei besonderen Fällen. Bärenklau kann beispielsweise für spielende Kinder sehr gefährlich sein, da es bei Berührung zu starken Verbrennungen führt. Hier wirken nur Glyphosat-haltige Mittel wie Roundup und hier sind sie auch richtig angewandt. Diskussionswürdig ist der Einsatz auch bei dem Japanischen Staudenknöterich, der durch sein immens starkes Wachstum heimische Pflanzen verdrängt. Diese Stauden finden sich aber nur an vereinzelten Standorten. Ein kontrollierter Einsatz wäre zustimmungsfähig, wenn andere Verfahren wie Abmähen, Abdecken oder Ausgraben nicht zum gewünschten Erfolgen führen.

Trotz anderweitiger Erfahrungen und der gesundheitlichen Bedenken beschloss nun eine Mehrheit im Bauausschuss den Ausstieg aus dem Glyphosat-Ausstieg, da sich die UWG bei dieser zweiten Abstimmung der CDU/FDP-Mehrheit anschloss. Auch der abgewichene Stadtverordnete aus den Reihen der CDU musste bei dieser Bauausschusssitzung wohl offensichtlich vertreten werden. Glyphosat und andere Totalherbizide dürfen nun wieder in städtischen Anlagen verwendet werden. Die Verwaltung verwies aber darauf, dass dies nur dann geschehe, wenn es notwendig sei, worüber andere Ausschussmitglieder ihre Zweifel äußerten.

Die Diskussion im Ausschuss entwickelte sich zwischenzeitlich zwischen Grünen, CDU und Verwaltung recht vorwurfsvoll, was aber auch zeigt, dass die Diskussion über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ein sehr emotionales Potential hat.

Über Niko Gernitz

Niko Gernitz ist Vorsitzender der SPD und Stadtverordneter in Lüdinghausen. Er ist Mitglied des Unterbezirksausschusses der SPD im Kreis Coesfeld.

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