Digitale Agenda 2020 – Ein #Freifunk Bürgernetz für Lüdinghausen!

Lüdinghausen – Seit wenigen Monaten wächst in Lüdinghausen und Seppenrade ein Projekt, welches von einem einzelnen Bürger initiert, schnell von einer breiten Unterstützung zu einer tatsächlichen Umsetzung gefunden hat, die es so auch noch nicht gegeben hat. Jedenfalls nicht in Lüdinghausen! Die Rede ist von Freifunk, dem freien und offenen WLAN Netz, das inzwischen große Teile der Innenstadt abdeckt und sogar in Gewerbe- und Wohngebieten für alle Menschen offen steht.

Die Fraktion der B90/Grünen und der netzpolitische Beauftragte der SPD waren es, die den Kontakt mit dem Freifunker Alexander Kallenbach aufgenommen haben. Und sie haben verstanden, welche Chancen dieses Projekt für die Stadtgesellschaft mitbringt, und wie einfach und effizient es umzusetzen ist.

Die Bürgermeisterkandidatin von SPD, UWG und Grünen, Doris Krüger, war es schließlich, welche, gemeinsam mit Kallenbach, für das Projekt bei Unternehmern, Gastronomen und Bürgern eine Akzeptanz und Unterstützung gewonnen hat, mit welcher es in nur wenigen Wochen von nur einem einzelnen zu mehreren Dutzend Zugangspunkten wachsen konnte.

Dieses Projekt verdient nicht nur die Unterstützung der Stadt Lüdinghausen, es ist für die Stadt eine Chance durch ein rein bürgerschaftliches Engagement einen freien und offenen Zugang zu Wissen und Kommunikation für alle Menschen zu schaffen und damit einen entscheidenden Schritt für die Stadtgesellschaft von morgen zu unternehmen.

Deshalb stellen die Fraktionen von Bündnis 90/Grüne, UWG und der SPD den folgenden Antrag auf der nächsten Sitzung des Rates der Stadt Lüdinghausen, am 24.September 2015:


Die Verwaltung wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Initiatoren des Freifunks im Münsterland den Freifunk in Lüdinghausen flächendeckend auszubauen. Zunächst wird in den Sitzungsräumen und in für die Bürger zugänglichen Bereiche des Rathauses und mindestens an folgenden Orten ein öffentlich zugängliches WLAN-Angebot geschaffen:

  • Bücherei St.Felizitas,
  • Burg Lüdinghausen,
  • Burg Vischering,
  • Bauhaus (VHS),
  • Jugendzentrum Exil,
  • und an/in allen Einrichtungen zur Unterbringung von Asylbewerbern.

Darüber hinaus wird die Verwaltung gebeten, die Freifunk Initiative beim Ausbau des Netzes an attraktiven Orten wie dem Marktplatz, der Fußgängerzone in der Innenstadt und dem Bahnhof sowie dem Busbahnhof zu unterstützen.

Begründung

Freie Zugänge in das Internet sind im Informationszeitalter eine elementare Grundlage für Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander. Während in vielen europäischen Ländern freies WLAN zur Selbstverständlichkeit gehört, hinkt Deutschland noch gravierend hinterher.

In Deutschland haben die Haftungsrisiken für Betreiber (Störerhaftung) den flächendeckenden Ausbau bisher verhindert. Dennoch haben kommerzielle Anbieter wie die Telekom sowie nicht-kommerzielle Initiativen wie die Freifunk-Bewegung rechtssichere Möglichkeiten gefunden, freies W-LAN anzubieten.

Was ist Freifunk?

Ziel der Freifunk-Initiativen ist der Aufbau eines selbst-verwalteten, öffentlichen, freien Kommunikationsnetzes. Die Initiativen sind dezentral organisiert. Im Münsterland gibt es eine große “lokale” Freifunk-Initiative, die den Aufbau eines öffentlichen und freien WLAN-Netzes vorantreiben. Freifunk-Münster ist mit über 500 Zugangspunkten (03.August) bereits heute der größte „Hotspot-Anbieter“ in der Region.

http://freifunk-muensterland.de
http://freifunk-muensterland.de/map (interaktive Karte m. allen Hotspots)

In Lüdinghausen hat die Initiative „Freifunk Lüdinghausen“ mit Unterstützung von vielen engangierten Einzelpersonen und lokalen Gastwirten, Einzelhändlern sowie anderen Unternehmen im letzten Monat bereits fast 40 Freifunk-Router installiert. Dadurch verfügt unsere Stadt bereits über eines der besten Freifunk Netze in der Region!

https://www.facebook.com/freifunk.lh

Neben den erwähnten Gewerbetreibenden (Einzelhandel, Hotels und Gastronomie), erbringen besonders auch Privatleute eine wichtige Leistung für das Freifunk-Netz, indem sie einen Teil ihrer Internet Bandbreite zu Verfügung stellen.

Dadurch verbindet Freifunk lokale Wirtschaft und Bürgerschaft und wird so zu einer modernen Form für wirkliches bürgerschaftlichen Engagement. Die Kapazitäten des Netzes wachsen so mit jedem neuen Freifunk-Router.

Freifunk bietet einen Mehrwert für alle Besucher der Innenstadt. Insbesondere Gäste und Touristen aus dem Ausland können so ohne überteuertes Roaming online gehen. Eine Möglichkeit, die zB. in vielen niederländischen Städten schon heute geboten wird.

Freifunk in der Verwaltung

Freifunk in Verwaltungsgebäuden ist kein Novum, sondern in Städten wie Moers, Straelen, Weeze und Xanten bereits seit einiger Zeit Realität. Auch der Kreis Kleve beabsichtigt in Verwaltungsgebäuden mit viel Publikumsverkehr Freifunk anzubieten.

Der Landtag NRW hat am 25.Juni 2015 beschlossen, dass auch die Landesregierung NRW Freifunk in öffentlichen Gebäuden des Landes fördern soll und landeseigene Immobilien und Infrastruktur zur Installation von Freifunk Knoten freigeben wird.

http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD16-8970.pdf

Haftungsrisiken

Haftungsrisiken bestehen für den Betreibers eines Freifunkrouters keine, denn der Verein Freifunk Rheinland ist als Internet-Provider anerkannt und so von der Haftung für die Durchleitung von Informationen ausgenommen ist (§ 8 Telemediengesetz). Die Stadt ist für Dritte auf technischer Ebene nicht als Betreiber erkennbar.

Sicherheit

Freifunk bietet hohe Sicherheitstandards dank Open Source Software: Jeder kann sich vergewissern, dass der Programm-Code der Firmware das tut, was er soll. Viele tausende Entwickler bei z.B. Unternehmen und Forschungsinstituten haben dies schon getan.

Internetzugänge der Stadt werden benötigt, das eigene Netz der Stadtverwaltung bzw. des betreibenden Dienstleisters bleiben durch verschlüsselte VPN Tunnel vom Freifunk-Netz technisch getrennt.

Kosten/ Finanzierung

Es fallen nur einmalige Kosten für den Kauf der Geräte (50€-80€ pro Gerät), ggf Installations/Montagekosten und laufende Stromkosten an (ca. 10 € pro Router pro Jahr).

Neben einer Finanzierung aus allgemeinen Haushaltsmitteln, lassen sich alternativ durch aktive Aquise mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch ein/mehrere Sponsoren finden.

Auch für die Nutzer ergeben sich durch das ehrenamtliche Engagement der Freifunk Initiativen keine versteckten Kosten, während kommerzielle Anbieter sich ähnliche Lösungen meist durch Werbung, Auswertung personenbezogener Daten und teure Tarife vergüten lassen.

Langjährige Erfahrungen von Freifunkern zeigen, dass die Freifunk-Router über Jahre hinweg störungsfrei laufen. Es fallen weiterhin keine Kosten für regelmäßige Wartungsarbeiten vor Ort an, da die Geräte automatisch aktualisiert werden.


Hinweis: Der Antragstext wurde zur Veröffentlichung an dieser Stelle geringfügig redaktionell überarbeitet. Das Original Dokument finden sie unter diesem Link: 2015-08-05-Freifunk-SPD (PDF)

Link: Pressemitteilung von B90/Die Grünen, Lüdinghausen, 04.09.2015

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