Es gilt Unternehmerische Interessen mit denen der Stadt zu verbinden

Lüdinghausen – Schade, dass Herr Werth, Redakteur der Westfälischen Nachrichten, dieses Mal keinen Wert auf die Meinung der Vorsitzenden des Ausschusses für Bildung, Kultur und Sport gelegt hat, wie noch vor einigen Wochen, als es um die Pläne für ein Parkhaus auf dem Standort der Ostwallturnhalle ging (und die SPD die Bürgermeisterfrage noch nicht entschieden hatte).

Schade, denn ich hätte Ihm gerne gesagt, dass auch eine Übergangslösung auf der anderen Seite der Schule, die Situation rund um die Schule unnötig verschärft, dass sie ebenfalls die Schulwege einschränkt, dass sie darüber hinaus mehr Eltern als bisher ermuntern wird, ihre Kinder „eben schnell“ mit dem Auto zur Schule zu bringen und dass ein Filetgrundstück im Innenstadtbereich, das einmal als Parkplatz ausgewiesen ist, nie mehr für eine wertvollere Nutzung zurückgewonnen werden kann.

Und damit ist hoffentlich nachvollziehbar, warum die SPD-Fraktion sich u. a. auch gegen diesen Standort ausspricht: unabhängig davon, wer im September ins Rathaus einziehen wird, möchten wir im Ausschuss Fachpolitik betreiben und nicht in jeder zweiten Sitzung Maßnahmen zur Schulwegsicherung an der Ostwallschule erörtern.

Es ist ausgesprochen erfreulich, dass sich Investoren wie Herr Tenberge und Herr Austrup in dieser Form engagieren und dabei versuchen, ihre unternehmerischen Interessen mit denen der Stadt zu verbinden.

Allerdings kann diese Verbindung nur dann gelingen, wenn sie in eine win-win-Situation mündet, will heißen, wenn sich der Invest nicht nur für die Unternehmer rentiert, sondern wenn auch die Stadt durch die Investition einen deutlichen Mehrwert erfährt. Und dieser Mehrwert ist nicht nur simpel daran zu bemessen, was am Ende gebaut wird. Es geht auch darum, alle mit dem Bau verbundenen Nebenwirkungen zu berücksichtigen.

Das ist z. B. die Verkehrssituation, das ist die Qualität des Schullebens, das ist aber auch die Investition der Stadt, die sie einbringt, indem sie Grundstücke günstig zur Verfügung stellt und damit auf eine eigene oder anderweitige Nutzung verzichtet.

Das alles ist abzuwägen und zwar von allen Verantwortlichen, also dem Bürgermeister, dem Rat und den Fachausschüssen. Fragen, Prüfaufträge und Alternativvorschläge beweisen, dass dort Menschen vertreten sind, die Ihre Verantwortung ernst nehmen, wie übrigens schon zuvor bei anderen Investitionsvorhaben.

Und das ist gut so, denn sonst bestimmen bald Autofirmen, welche Straße ausgebaut werden, Sportartikelhersteller, wo Turnhallen gebaut werden und Buchverlage, welche Schule eingerichtet wird. Das kann doch niemand ernsthaft wollen, oder?

Dass trotz intensivster Diskussionen umstrittene Entwürfe realisiert werden, konnte ich unlängst bei einem Stadtrundgang mit auswertigen Gästen erfahren, die sich verwundert (und nicht bewundernd!) die Augen rieben angesichts des Kubus an der Mühlenstraße, den der Investor wollte und den weder Diskussion in Rat und Öffentlichkeit, noch eine Gestaltungssatzung verhindern konnte!


Susanne Havermeier ist Mitglied der SPD Fraktion im Rat der Stadt Lüdinghausen und Vorsitzende im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport

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