Es geht bei der Marktplatz-Neugestaltung um viel mehr als nur Aufenthalts-Qualität

Lüdinghausen – Wenn es um die Neugestaltung des Marktplatzes geht, dann hat jede Lüdinghauserin und jeder Lüdinghauser eine Meinung. Weil alle betroffen sind, von dem unbefriedigenden Zustand des Platzes, an welchem gleich fünf Lüdinghauser Straßen sich treffen.

189 Teilnehmer/innen hatte die Umfrage, die wir Ende letztes Jahres auf diese Webseite gestellt haben. 530 einzelne Stimmen (jeder Teilnehmer hatte maximal 3 Stimmen) wurden dabei gesammelt. Die Antworten dieser Umfage waren „offen“, das heißt, jeder konnte statt der 15 anfänglich vorgegebenen Antworten auch eigene, freie Antworten aufnehmen lassen, womit zum Ende dann 29 verschiedene Punkte wichtig waren.

Das Meinungsbild der Umfrage wurde jedoch weitaus klarer, als zu Beginn noch vermuten war.

Es mangelt den Lüdinghausern an „Aufenthaltsqualität“, denn der lang-gehegte Wunsch nach einer „Marktplatz-Gastronomie“ (95 Stimmen), einem „gemütlichen Treffpunkt“ in der Stadt (52) und „dauerhaften Sitzgelegenheiten“ (50) führen die Ergebnisliste mit deutlichem Abstand an.

Diese Antworten waren keine Überraschung, denn diese drei Punkte führen schon seit Jahren in jeder Diskussion um die Innenstadt und sie werden wohl auch die Workshops prägen, zu denen die Stadt nun eingeladen hat.

Doch springen wir nicht zu kurz, wenn wir den Marktplatz nur etwas aufräumen & ordentlich neu „möblieren“? Ich finde, es braucht zunächst mal ein paar Gedanken, WAS ich denn eigentlich mit diesem Marktplatz, ja was ich mit dieser Innenstadt anfangen möchte, wenn ich sie denn dann „hübsch“ gemacht habe?

Dazu gab es in der Umfrage einige bemerkenswert starke Antworten – wobei keine davon zum Beginn der Umfrage schon vorgegeben war: „Mehr alternative Veranstaltungen (ausser Wochen & Bauernmärkte)“ (34 Stimmen), „Freies W-Lan, wie an der Borg, kostenlos zur Verfügung stellen“ (33), „Open Air Kino im Sommer“ (25).

Diese drei Antworten zeigen, dass der Marktplatz nicht nur als „Aufenthaltsraum“, sondern auch als „Erlebnisraum“ wahrgenommen, oder zumindest gewünscht wird. Dafür zeigen alle drei Punkte auch auf, dass ein solcher Raum/Platz aktiv „bespielt“ werden muss, wenn er nicht nur als Fläche zur Aufstellung von Marktständen dienen soll.

Historisch war es die Borg, auf welcher sich die Bevölkerung der Stadt versammelt hat. Diesen Zweck erschließt sie sich gerade wieder, weil ein privater Veranstalter dort im vergangenen Jahr Initiative gezeigt hat und erfolgreich Musikveranstaltungen inszeniert – die sich für diesen Veranstalter offensichtlich auch kommerziell auszahlen.

Welche Rolle kann und soll der Marktplatz in der Zukunft spielen, um die (nach Ladenschluss) verlassene Stadtmitte zu beleben?

Während die klassischen „Märkte“ kaum noch eine Weiterentwicklung erfahren – da wäre ein „Feierabend-Markt“ mit späteren Öffnungszeiten zb. von 16:00-20:00 etwa eine Variante, die für auswärts arbeitende berufstätige Bürgerinnen und Bürger eine Alternative zum Shopping im Supermarkt und deshalb ein Grund die Stadtmitte zu besuchen sein könnte.

Die lange Suche nach einem traditionellen Marktplatz-kompatiblen gastronomischen Angebot wird vermutlich an den hohen Mieten in den angrenzenden Lokalitäten scheitern. Ein rund um das Jahr betriebenes Lokal der System Gastronomie wie zB. ExtraBlatt mit 150 Plätzen wirkt angesichts dessen nicht realistisch. – Doch dann könnte man als Alternative über ein Saisongeschäft nachdenken – die Eisdielen wissen, wie das ökonomisch umzusetzen ist. Ich bin überzeugt, das funktioniert auch mit Cola, Bier und Schnitzeln! Ein Food-Truck von Mai bis September auf dem Marktplatz stationiert – attraktive Sonnenschirme und gescheite Bestuhlung dazu…

Der Vorschlag eines „Open-Air-Kino“ überrascht, und ist doch recht naheliegend. Denn die Atmosphäre eines offenen Platzes in einer Sommernacht macht ein besonderes Filmerlebnis… auch wenn vielleicht vier oder sechs solcher Veranstaltungen in einem Sommer kein Lichtspielhaus ersetzen können, wären solche Aktivitäten mit recht wenig notwendiger Infrastruktur zu inszenieren und würden im weiteren Umfeld der Stadt sicher konkurrenzlos und einmalig sein.

Nun geht es hier aber um die Umgestaltung und nicht um Veranstaltungskonzepte – oder nicht? Es geht um beides! Denn es ist sachlich nicht voneinander zu trennen… denn so wie Bauherren bei der Planung eines Hauses und des Gartens zunächst einmal die eigenen, familiären Bedürfnisse kennen und verstehen müssen, so muss die Stadtgesellschaft es für ihnen öffentlichen Raum.

Erstaunlich ist, dass etwas so wesentliches, wie die Ladenöffnungszeiten keine Erwähnung in der Umfrage gefunden hat. Sind es doch die Kaufleute, denen die Innenstadt und der Markt den Rahmen und die Bedingungen geben, sich zu inszenieren und erfolgreich tätig sein zu können. Hier ist gerade auf dem Marktplatz ein 360 Grad Blick sehr lehrreich! Denn wenn der Schuhpark und DM noch geöffnet haben, sind woanders schon die Lichter dunkel. „Lohnt sich wohl nicht.“ – Denkt man da. Und das mag stimmen! Doch warum ist das so? Und muss das so bleiben?

In den vergangenen Wochen war das Thema der „Konkurrenz“ für die Kaufleute durch das Internet häufig in der Presse. Fachleute haben Referate gehalten – und Unternehmer offensichtlich die Erkenntnis gewonnen, das ohne „Online“ bald nichts mehr geht. Dem widerspreche ich (als Onliner der ersten Stunde) ganz entscheidend!

Was unterscheidet eine Buchhandlung in der Innenstadt von Amazon? Der Erlebnissraum! Wenn es Menschen mehr Freude macht, über den Marktplatz und die Innenstadt zu flanieren um ihre Einkäufe quasi „nebenbei“ zu erledigen – warum dann noch im Netz bestellen? Es ist nicht immer der Preis! Es ist nicht immer der Service! Es sind – ganz oft – die Rahmenbedingungen, die den Erfolg eines Unternehmens begründen.

Lüdinghausen konkurriert nicht mit „dem Internet“! Lüdinghausen konkurriert mit dem FCC-Outlet in Ochtrup, mit den Arkaden und dem Prinzipalmarkt in Münster, der Thier-Galerie in Dortmund, sogar mit dem CentrO in Oberhausen und dem Familieneinkaufsausflug nach Holland.

Der Marktplatz ist darum von zentraler Bedeutung für Lüdinghausen! Es geht um mehr als barrierefreies Pflaster! Es geht um die Identität der ganzen Innenstadt – und darüber hinaus!

Nun muss man den Marktplatz dafür tatsächlich nicht gleich überdachen – so wie es eine Antwort der Befragung mit immerhin 8 zustimmenden Votern vorgeschlagen hat. Doch sind es Ideen wie diese, die kreative Prozesse anstoßen – und vielleicht sogar einfache Lösungen für große Probleme. Ein auf die Platzgröße geschnittenes mobiles Zeltdach für besondere Anlässe zum Beispiel… Ja klar… natürlich gibt es dabei immer viele Fragen zu lösen – Bäume, Technik, Anwohnerinteressen…

Lüdinghausen hat mit der Regionale.2016 tatsächlich einen „großen“ Wurf auf der Hand! Doch wenn nicht ALLE dabei mitziehen, wenn nicht ALLE kreativ und MUTIG sind, dann lasst uns nur das Pflaster tauschen und es geht so weiter wie bisher…

Wenn sie in Lüdinghausen leben und diesen langen Text bis zum Ende gelesen haben – dann gehen sie zu dem Workshop des Bürgermeisters (Link unten)! Machen sie mit und bringen sie ihre Kreativität in den Prozess ein!

Ich kann leider zu dem Workshop nicht dabei sein, da ich zu diesem Termin beruflich in Helsingborg, Schweden sein muss. Dort schließen die Läden in der Innenstadt ALLE erst um 21:00… und Strassen-Gastronomie gibt es an jeder Ecke! Doch Helsingborg ist eine Stadt mit knapp 90.000 Menschen und kein Dorf im Münsterland mit nur 24.000… insoweit hinkt jeder Vergleich natürlich gewaltig.

Aber vielleicht bestellt ja trotzdem jemand dem Bürgermeister schöne Grüße von mir? ;-)


Link: Beim Workshop werden Ideen entwickelt: „Wünsch Dir was“ am Marktplatz – WN 02.04.2015

Link: Bürgerbefragung der SPD zur Marktplatzumgestaltung



Ein als Kommentar gekennzeichneter Beitrag repräsentiert einzig die Meinung und Ansichten des Verfassers. Dieses kann, aber muss nicht mit Beschlüssen oder Positionen der SPD in Lüdinghausen konform gehen! Zum Widerspruch oder zur Diskussion nutzen sie bitte die Kommentarfunktion.


Klaus Böttger ist Redakteur des SPD.Netzwerk-LH und Beisitzer im Vorstand der SPD Lüdinghausen

Über Klaus Böttger

Klaus Böttger ist Redakteur / Webmaster dieser Seite und außerdem Beisitzer im Vorstand der SPD in Lüdinghausen. Sein "Digitales Manifest" findet sich hier. Er bloggt unter anderem auch auf http://westfalenblog.de

One thought on “Es geht bei der Marktplatz-Neugestaltung um viel mehr als nur Aufenthalts-Qualität

  1. Der Marktplatz in Lüdinghausen – jetzt und in Zukunft

    Zur Ideen-Findung am 21-04-2015 im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen wurden einige Themen angesprochen, die durchaus bemerkenswert sind.

    Zunächst jedoch das ‚Ist‘ : Zu normalen Wochenzeiten ist der Marktplatz relativ leer. Die Seite Langenbrückenstraße Sparkasse Wilhelmstraße ist gut besucht, der Rest nicht. Bei schönem Wetter sind die wenigen Tische bei Geiping vom Vortag und Café Hellmann besetzt. Bei schlechtem Wetter geht gar nichts. Beim Wochenmarkt und Bauernmarkt und Stadtfest etc. mit dem großen Fallschirmdach füllt sich die Fläche. Sonderveranstaltungen sorgen bei schönem Wetter für guten Zulauf. Bei schlechtem Wetter geht gar nichts. Wer einmal bei Matschwetter auf dem Weihnachtsmarkt gestanden hat, kommt nicht wieder.

    Bei der Ideen-Sammlung wurde unter Anderem vorgeschlagen, einen Pavillon in der Mitte des Platzes aufzustellen. Ein maßgeschneidertes mobiles Dach ist technisch machbar. Gestaltungsmerkmale aus südlichen Ländern können eingebaut werden. Wer nur 100 Meter nach Osten geht, findet auf dem Neuen Markt große Sonnenschirme und es ist immer voll. Allem gemeinsam ist ein Dach über dem Kopf.

    Vor vielen Jahren wurden überdachte Passagen installiert, um dem Publikum bei jedem Wetter einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. Diese Bauart wurde wieder aufgegriffen mit den großen Einkaufszentren, siehe Hamm, Oberhausen und an jeder Ecke, aber fast immer vor den Toren der Städte. Die Münster-Arkaden sind ein Selbstläufer. Licht kommt durch die Glaskonstruktion. Das Ruhrpark-Einkaufscentrum in Bochum hat sich in den vielen Jahren seines Bestehens immer mehr in Richtung glasüberdachter Außenflächen verändert.

    Eine vollständige Überdachung des Marktplatzes mit einem Glasdach kann die beschriebenen Nachteile beseitigen. Es entsteht eine Multifunktionsfläche zur vielfältigen Nutzung. Der Baumbestand kann einbezogen werden. Veranstaltungen, egal ob groß oder klein werden witterungsunabhängig. Ein mobiler Pavillon mit leichtem Dach kann in der Mitte aufgestellt und genau so schnell wieder entfernt werden.

    Die allseits gewünschte Gastronomie flüchtet nicht mehr bei dem ersten Regentropfen, der Kaffee wird nicht mehr verdünnt, die Marktbeschicker leiden nicht mehr unter fehlenden Kunden. Lüdinghausener und Gäste flüchten nicht mehr sofort.

    Eine solche Konstruktion ist mit Sicherheit ein Alleinstellungsmerkmal im weiten Umkreis.
    Auf lange Sicht können die zuführenden Straßen ebenfalls einen Wetterschutz bekommen. Die Ladenstruktur ist vorhanden und muss nicht mehr wie bei Neuanlagen genehmigt werden. Eine Diskussion über ‚Outlet‘ oder ähnliches findet nicht statt.

    Wir sammeln Ideen und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

    Zur Schlussbemerkung wegen des Fußballspiels Bayern gegen weißnichtwen, was tun die Bayern eigentlich für uns ???

    Michael Krings
    Steverstraße 21
    59348 Lüdinghausen
    m.krings(at)krings-saftladen.de

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.