Doris Krüger – Warum ich Bürgermeisterin in Lüdinghausen werden möchte

Lüdinghausen – Am 18. Februar wurde die Lüdinghauserin Doris Krüger von SPD, Bündnis90/Die Grünen und UWG auf einer Pressekonferenz im Hotel zur Post als designierte Kandidatin der drei Ratsparteien zur Bürgermeisterwahl vorgestellt. Die gemeinsame Nominierung der Gegenkandidatin von Richard Borgmann (CDU) bedarf noch der Zustimmung der jeweiligen Mitgliederversammlungen aller drei Parteien, damit sie im September als gemeinsame Kandidatin antreten kann.

Doris Krüger ist 49 Jahre alt, seit 2004 wohnhaft in Lüdinghausen, Mutter zweier Kinder im Alter von 17 und 19 Jahren. Sie ist seit 2003 als Juristin in der Funktion einer leitenden Rechtsdirektorin und Abteilungsleiterin bei der Gemeindeprüfungsanstalt tätig.

Frau Krüger, am Mittwoch sind sie gemeinsam mit SPD, Grünen und UWG vor die Presse getreten und haben ihre Bewerbung zur Kandidatur um das Bürgermeisteramt in Lüdinghausen erklärt. Jede Bürgermeisterwahl ist für die Stadt eine besondere Situation – und ihre Kandidatur wäre ebenfalls etwas besonderes, fordern sie doch den Amtsinhaber heraus. Wie kam es dazu und was motiviert sie dafür?

Lüdinghausen steht im Moment vor großen Herausforderungen, die meines Erachtens nur durch einen Schulterschluss möglichst aller Parteien gemeinsam bewältigt werden können. Wir brauchen einen anderen Politikstil und eine andere Führung der Verwaltung.

Können sie dafür etwas ins Detail gehen? Was hat denn der Stil mit dem Inhalt der Politik zu tun?

Beispiele gibt es viele – und in der jüngsten Vergangenheit tatsächlich zu viele: Den desaströsen Botschaften zum Hallenbad vor ein paar Wochen folgen nun Kostenexplosionen bei Schloss Westerholt und dem Friedhof. Erst in der letzten Woche wurde über die bereitgestellte 1 Mill. Euro für den Brandschutz in Schloss Westerholt ein weiterer Bedarf von 250.000 € für Malerarbeiten etc. festgestellt. In diesem Zusammenhang fragen sich doch viele Bürgerinnen und Bürger, warum es überhaupt soweit kommen konnte. Wo blieb die Kontrolle über den Zustand der eigenen Immobilien, warum wurde nicht auskömmlich etatisiert, warum könnte auch dieses Projekt wieder ein Fass ohne Boden werden?

Sie machen dafür den Bürgermeister verantwortlich?

Ja, denn alle diese Fragen treffen immer zuerst den Bürgermeister! An diesen Beispielen wird deutlich, dass es offensichtlich an einer zielgerichteten professionellen Steuerung der Verwaltung einerseits und einer effektiven Kontrolle andererseits mangelt. Gerade bei dem sensiblen Thema Brandschutz wäre eine erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich gewesen und kein Zuwarten, bis der Kreis ein Gebäude still legt.

Die Informationspolitik des Bürgermeisters gegenüber dem Rat war hierbei zögerlich, unvollständig und intransparent. Anders lässt es sich kaum erklären, dass am Beispiel Westerholt wieder einmal viele gewählte Vertreter erst durch die Zeitung von der Schließung und damit vom tatsächlichen Zustand des Gebäudes informiert wurden. Hier bedarf es einer Kehrtwende in der Führung der Geschäfte, aber vor allem auch im Umgang mit gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Bürgerinnen und Bürger. Hier braucht es einen anderen, zeitgemäßen Politikstil!

Weitere Herausforderungen durch die Großprojekte, die auf der Agenda stehen, sind uns allen bekannt – Schulen, Sporthallen, Regionale, Marktplatz – und das vor dem Hintergrund eines städtischen Haushaltsentwurfs, dessen Entwurf des Bürgermeisters von der Politik nicht mitgetragen wird.

Berechtigter Einwurf! Das ist ein Haushaltsplanentwurf, der mehr als 3 Millionen Euro Defizit ausweist! Hierbei sind noch nicht einmal alle bedeutsamen Investitionen der entsprechenden Höhe nach veranschlagt. Folgekosten all dieser Projekte sind nicht eingestellt. Der Finanzplan lässt völlig offen, wie diese finanziellen Herausforderungen wirtschaftlich gestemmt werden können.

Wenn schon bei guter Konjunktur und sprudelnden Steuereinnahmen ein 3 Mill Defizit geplant wird, wird mir als Bürgerin unserer Stadt Angst und Bange wenn ich an Jahre mit zurückgehenden Einnahmen denke – Und die werden kommen, dafür sorgt schon die Demographie!

Gleichzeitig werden die Pflichtaufgaben wie Sporthallenbau für die Schulen im Haushalt völlig vernachlässigt. Bis auf einen Betrag von ca. 50.000 € Planungskosten wird die Finanzierung im Haushalt totgeschwiegen. Es gibt keine Vorschläge des Rathauses, die auf eine Problemlösung zeigen.

Was wären denn ihre Vorschläge und Lösungsansätze?

Ich bin aufgrund meiner langjährigen Erfahrung als Ratsmitglied der festen Überzeugung, dass wir einerseits in der Leistungsfähigkeit der Verwaltung, aber auch in der Politik in Lüdinghausen das Potential haben, die Probleme zu bewältigen. Es wird nur nicht gehoben!

Wie äußert sich das?

Wir haben es mit einer Verwaltung zu tun, bei der sich, statt auf die Kompetenz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung und die Begeisterung und die Erfahrung der Ratsmitglieder für ihre Stadt zu bauen, externe Berater die Klinke in die Hand geben. Hierin liegt nach meiner festen Überzeugung einer der Schlüssel, die Karre aus dem Dreck zu ziehen.

Heißt das, wir haben kein Kompetenz, sondern nur ein Mobilisierungsproblem und bislang nicht genug auf die eigenen Kräfte gesetzt?

Meiner Ansicht nach ist es so! All diese Experten und Spezialisten gehen irgendwann wieder fort und ziehen weiter in das nächste „Projekt“, aber wir – das gilt für Politiker und Bürger – bleiben hier und müssen dann mit ihren Hinterlassenschaften leben.

Meine Vision einer modernen und zukunftsgerichteten Verwaltung trägt sich zu allererst durch ihre Aufgeschlossenheit gegenüber allen demokratischen Parteien. Wenn jemand eine wirklich gute Idee hat, ist es doch völlig egal, aus welcher Partei diese Idee kommt.

Das ist ein schöner Leitsatz! Den sollten wir vielleicht im Kapitelsaal an die Wand hängen! Aber genug erst einmal, über die Kommunalpolitikerin Krüger. Wie kam denn die Lüdinghauserin Krüger dazu, sich um die Kandidatur zur Bürgermeisterwahl zu bewerben?

Ich kenne unser Land durch meine Berufstätigkeit sehr gut, habe auch schon an verschiedenen Orten in NRW gewohnt. Aber seit ich im Jahr 2004 nach Lüdinghausen gezogen bin, habe ich für mich nicht nur ein Zuhause, sondern tatsächlich auch meine Heimat gefunden. Und ich weiß, dass die meisten das aus ihrem eigenen Empfinden gut verstehen werden. Ich bin mit großer Begeisterung und Leidenschaft Lüdinghauserin. Dadurch war es für mich auch selbstverständlich, mich in Vereinen zu engagieren und auch politisch tätig zu werden.

Das macht man in der Regel nicht, wenn man sich nicht auch in einem großen Maße mit seiner Stadt identifiziert und etwas bewegen möchte…

Tatsächlich – denn genau so geht es mir! Die Zukunftsfähigkeit meiner Stadt liegt mir am Herzen und ich möchte durch mein Wirken das Beste aus ihr herauszuholen und hierfür Impulse geben. Ich glaube an das Potential, das wir strukturell und politisch haben.

Wie versteht denn die Bürgerin Krüger das Bürgermeisteramt?

Ich verstehe das Bürgermeisteramt tatsächlich überparteilich und nicht bestimmten inhaltlichen Interessen einer bestimmten Gruppe oder Partei verpflichtet. Diese Überparteilichkeit der Amtsführung hat für mich einen ganz bedeutenden Stellenwert, um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger, aber auch das der Parteien zu gewinnen. Ein Bürgermeister ist nicht „Erster Bürger“ unserer Stadt, sondern „Erster Diener“, er ist der mit der Umsetzung der politischen Beschlüsse beauftragte „Geschäftsführer“ des Rates und der Chef der Verwaltung. Er moderiert und gestaltet, aber er dominiert nicht.

Und welche Kompetenzen hat Doris Krüger in das Amt einzubringen?

Durch meinen beruflichen Lebenslauf habe ich die erforderlichen fachlichen Kompetenzen aufzuweisen. Als langjährige Dezernentin in der Kommunalaufsicht bei der Bezirksregierung Detmold lagen meine Tätigkeitsschwerpunkten in den Bereichen Kommunale Finanzen, Öffentliches Dienstrecht und wirtschaftliche Betätigung. Seit 2003 bin ich Abteilungsleiterin für überörtliche Prüfung bei der Gemeindeprüfungsanstalt. Diese prüft alle Kommunen, Kreise und Verbände in einer vergleichenden Betrachtung. Die Inhalte der Prüfthemen erstrecken sich über Bereiche wie Finanzen, Personal, Bauwesen, Soziales, Jugend, Gebäudewirtschaft etc. Hierdurch habe ich vertiefte, aber auch weitreichende Einblicke in kommunale Aufgaben gewonnen.

Unverzichtbare Erfahrungen habe ich aber auch besonders durch die Tätigkeit als Ratsmitglied in Lüdinghausen sammeln können. Nicht nur Funktion und Aufgabenstellung von Verwaltung, sondern auch die politischen Aspekte sind mir vertraut.

Sie gehörten der Ratsfraktion der CDU als Stadtverordnete und sachkundige Bürgerin an, nun bewerben sie sich um die Bürgermeisterkandidatur auf gemeinsamen Vorschlag von SPD, Grünen und UWG. das ist sicher auch persönlich keine ganz leicht zu vermittelnde Gemengenlage? Wie lang war der Schatten über den sie bei ihrem Entschluss dazu auch persönlich springen mussten?

Ich kann verstehen, dass meine Kandidatur für viele, übrigens nicht nur in der CDU, der jahrzehntelangen Praxis und der traditionellen Parteipolitik verhaftete Menschen zunächst auf Unverständnis stößt. Ich habe den Vorgang ja auch erst einmal für mich persönlich vollziehen müssten – da gab es schon einige schlaflose Nächte!

Die gab es sicher auch in den beteiligen Parteien und bei den Mitgliedern der gemeinsamen Findungskommission die sie nun zur Nominierung vorgeschlagen hat.

Das kann man, glaube ich, unterstellen. Ich bin wirklich froh, dass ich die Unterstützung gefunden habe – damit haben sich die Mitglieder der Kommission ja auch persönlich exponiert. Für das Vertrauen bin ich ihnen persönlich zutiefst dankbar!

Und die Kommission hat bewiesen, dass auch sie im Schattenspringen nicht wenig bewandert ist!

Genau darum geht es mir und den Gruppierungen die meine Kandidatur unterstützen: Den langen Schatten der jahrzehntelangen Praxis in Lüdinghausen nachhaltig verändern zu wollen und zu Sachfragen und Lösungen zu kommen, die sich eben nicht in erster Linie über die parteipolitische Herkunft oder Zugehörigkeit definieren.

Danke, Frau Krüger, für die ausführlichen Einblicke und Antworten! Wir sprechen uns sicher in nächster Zeit häufiger!

Das hoffe ich sehr, ich habe zu danken!


Das Interview mit Doris Krüger wurde aufgezeichnet von Klaus Böttger & Niko Gernitz

Link: UWG Lüdinghausen – Erste Dienerin der Stadt (Artikel der Ruhrnachrichten)
Link: Bündnis 90/Die Grünen Lüdinghausen – Eine Frage des Stils

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