header_digital_leben

10 Fragen – #SPD #DigitalLeben #Blogparade

Lüdinghausen – Steffen Voss dachte sich, dass es spannend wäre, wenn nicht nur 100 Köpfe Fragen zum Thema #DigitalLEBEN beantworten, sondern jeder der möchte. So hat er zur SPD Kampagne #DigitalLEBEN eine Blogparade ausgerufen. Deshalb gibt es heute und hier meinen Beitrag. Mitten aus dem Ortsverein der SPD in Lüdinghausen, dem digitalen Herz der Sozialdemokratie im Westmünsterland… ;-)

1. In einer digitalen Welt zu leben, bedeutet für mich…

Das ist ein fatales Missverständnis! Die Welt ist nicht digital. Genau so wenig, wie die Welt katholisch ist. Die Welt ist räumlich und dreidimensional – und wenn wir den Faktor „Zeit“ hinzunehmen, dann hat sie sogar vier Dimensionen. Digitalisierung ist nur eine Ausprägung der Entwicklung der Menschheit. Nicht mehr! Denn was weiß ein Hund schon vom Internet?

2. Mein Computer ist für mich…

Ein Werkzeug. Er ersetzt andere Werkzeuge. Zum Beispiel Stift und Papier, sowie das Telefon oder den Fernseher. Mein Computer hilft mir, mich zu organisieren, aber er organisiert mich nicht. Mein Computer ist für mich ein Mittel zum Zweck. Er macht mich stärker, weil er mir ermöglicht Dinge zu tun, die ich ohne Digitalisierung nicht – oder nicht mit der Effizienz, also mit sehr viel mehr Aufwand – tun könnte. Mein Computer erlaubt mir Politik zu machen und Einfluss zu nehmen, auf Dinge von denen ich sonst nichts erfahren würde. Diese Webseite gäbe es nicht, ohne meinen Computer. Aber am Ende des Tages ist es doch nur eine graue Kiste auf meinem Schreibtisch – und wenn ich den Stecker ziehe, dann ist er nur ein Haufen Sondermüll.

3. Wirklich gut! Die größte Chance durch die Digitalisierung ist…

Worum geht es hier? Um das „freie“ und ohne soziale oder staatliche Barrieren zugängliche Internet für alle? Wäre ich naiv, dann wären es in erster Linie eine Chance zur Demokratisierung der Gesellschaft. Zur Teilhabe an Bildung. Unmittelbarkeit sozialer Beziehungen. Die Grenzenlosigkeit des Wissens sowie die Überwindung von Herrschaftswissen und Zensur…

Doch hat dieses Internet nie existiert. Was mit der Vernetzung von Wissenschaftlern unter Benutzung auch von militärischer Infrastruktur begann, ist heute kontrolliert und in den Händen von kommerziellen und staatlichen (politischen) Interessen. Nur weil es für Mutti „Neuland“ ist, müssen wir nicht so naiv sein und annehmen, es handle sich noch um eine freie Veranstaltung von gleichen. Wenn es das mal werden soll, dann haben wir noch jede Menge Arbeit!

Die Chancen der Digitalisierung sind abhängig von der Entwicklung der Gesellschaft. Eine offene, sozial gerechte und demokratische Gesellschaft ist die Grundvoraussetzung dafür, diese Chancen wahrzunehmen.

4. Bedrohlich! Wir müssen aufpassen, dass…

Wir müssen aufpassen, dass sich die Digitalisierung nicht gegen eben jene „offene, sozial gerechte und demokratische Gesellschaft“ richtet. Big-Data ist ein Machtinstrument – gleich ob es von kommerziellen oder politischen/staatlichen Interessen genutzt wird. Die Digitalisierung ist Chance für die Überwindung kapitalistischer Wirtschaftsmodelle aber auch monströse Gefahr durch (globale) Monopolisierung und Zerschlagung von kleinteiligen sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen und Strukturen.

5. Die Digitalisierung verändert mein Leben durch…

Ob ich ohne die Digitalisierung heute noch als Bergmann tätig wäre, vermag ich mir nicht vorzustellen. Doch meinen Arbeitsplatz in der IT eines globalen Handelsunternehmens gäbe es wohl nicht ohne die „Cloud“. Dort wo ich vor 20 Jahren noch mit lokalen oder höchstens nationalen Partnern gearbeitet habe, ist mein Umfeld heute international und global. Und das selbe gilt für die Art und Weise in der ich heute Politik mache und mich an den Diskussionen, Entwicklungen und Entscheidungen meiner Partei und der Gesellschaft beteilige.

6. Chatten mit den Enkeln, Einkaufen per Mausklick, Arbeiten ohne feste Bürozeiten. Was bringt die Digitalisierung für Familien und Ältere?

Ganz vorsichtig! Hier werden in einer Frage gleich so viele Aspekte in einen Topf geworfen – eigentlich kann bei der Beantwortung nur undifferenziertes Zeug herauskommen!

Es gibt heute noch Generationen, die gänzlich ohne das Internet leben – weil sie es nicht anders kennen. Ebenso gibt es schon mehrere Generationen von Menschen, für die „das Netz“ immer schon da war. Soziale Beziehungen lassen sich nicht „digitalisieren“ – aber die Digitalisierung kann ein Hilfsmittel sein, sie herzustellen, zu pflegen und zu intensivieren. Wenn die Oma aber keinen Zugang und der Enkel kein Interesse an der Oma hat… dann nützt auch kein Internet und kein Smartphone!

Digitale Arbeitsplätze lassen sich an JEDEN Ort der Welt verlagern – die Idylle vom „Home-Office“ als Alternative zum Schreibtisch in einer anderen Stadt und dem täglichen stundenlangen Pendeln ins Büro mag als Errungenschaft der Digitalisierung durchgehen. Doch wenn die Flexibilität und latente, permanente Verfügbarkeit von Beschäftigten dazu führt, das Tarifverträge ausgehebelt und das Prinzip der Selbstausbeutung zum Standard erhoben wird – wer hat dann gewonnen?

Einkaufen per Mausklick ist prima… die Frage ist aber: WAS & WO kaufe ich per Mausklick. Ich kaufe ja nicht „im Netz“, sondern bei Händlern. Wer und wo sind aber diese Händler? Gibt es im „Netz“ einen Wettbewerb wie auf dem Wochenmarkt oder im Einkaufszentrum? Nein, den gibt es tatsächlich lang nicht mehr! Denn Suchmaschinen zementieren Marktmacht, Risikokapital überwindet den Wettbewerb und schafft (faktische) Monopole. Und als Konsequenz verschwindet der Wochenmarkt, wie es der Buchhändler, der Schallplattenladen und die Apotheke am Ort schon getan hat. Im Netz gibt es den Kapitalismus nur in seiner Reinkultur – und der Preis, den wir für das schier „unendliche“ Angebot zahlen, ist so am Ende möglicherweise eine Stadt in der niemand mehr auf die Straße geht und Gemeinwesen die eben auch sozial verwahrlosen.

7. Programmieren in der Grundschule, das gesamte Faktenwissen der Welt in der Suchmaschine. Wie sollte Bildung der Zukunft aussehen?

Ob Programmieren in die Grundschule gehört? Diese Diskussion überlasse ich gerne den Bildungspolitikern meiner Partei. Ganz sicher gehört aber das Fach „Digitale-Kompetenz“ – früher auch gerne Medienkompetenz genannt – in den Lehrplan. Denn das Verständnis der Funktionsweise der „digitalen Welt“ ist unerlässlich für ein selbstbestimmtes Leben mit ihr. So ist der Zugang zu Wissen überwältigend – aber wird zum Beispiel auch erkauft durch die totale Offenlegung der eigenen Interessen. Google weiß (und vergisst nicht), was du letzte Nacht gesucht hast!

8. An jedem Ort arbeiten können und ständig erreichbar sein. Was bedeutet das für Arbeit im Digitalen Zeitalter?

Die Frage überschneidet sich so stark mit #6 – vielleicht hätte man sich etwas mehr Mühe mit der Erstellung dieses Fragebogens geben sollen, statt nur die gerade populärsten Buzzwords auszuwerfen?

Ist hier gemeint, das die „Freiheit“ überall arbeiten zu können um den Preis erkauft wird, immer erreichbar sein zu müssen? Ein Arbeitsverhältnis welches auf abhängiger Beschäftigung beruht, beruht ebenfalls auf Regeln. Gibt es keine Regeln, handelt es sich um Ausbeutung. Gibt es Regeln, dann ändert sich gar nichts. Das Problem ist, dass Arbeitnehmerorganisationen oft grundsätzlich defensiv reagieren. So reagieren sie häufig erst, wenn Arbeitgeber Forderungen an ihre Beschäftigten stellen, die von existierenden Vereinbarungen nicht gedeckt sind. Die Tatsache, dass die „digitale“ Arbeitnehmerschaft oft nur dezentral und individualisiert – und deshalb auch in der Regel nicht organisiert ist, macht es Arbeitgebern leicht und Gewerkschaften schwer der Freiheit der Ausbeutung zu widerstehen.

9. Was müssen wir im digitalen Zeitalter tun, damit unsere Wirtschaft erfolgreich bleibt?

Einfache Antwort: Bildung, Bildung, Bildung!

Ganz sicher braucht eine demokratische und gerechte Gesellschaft und Wirtschaft aber auch grundsätzlich den gleichen Zugang zu sozialen und strukturellen Ressourcen für alle. Damit sind sowohl Bürger als auch Unternehmen gemeint, welche deshalb auch überall unter den gleichen Bedingungen Zugang und Teilhabe zum „Netz“ haben müssen. Die Infrastruktur gehört zur Daseinsvorsorge des Staates, so wie Kanalisation und der Straßenbau. Überlässt der Staat diese Infrastruktur privaten Unternehmen, so nimmt er heute in Kauf, dass die Menschen und die Wirtschaft in Regionen in welchem der Bau von Netzinfrastruktur keinen wirtschaftlichen Nutzen für die Netzbetreiber verspricht von der digitalen Gesellschaft sowie der digitalen Wirtschaft gleichermaßen abgehängt werden. Der Staat muss nicht selber zum Netzbetreiber werden, aber er muss die Rahmenbedingungen, also den Netz-Standard definieren, den die Netzbetreiber an jedem Ort garantieren müssen.

10. Die Digitalisierung schafft Chancen und birgt Risiken. Von der SPD erwarte ich, dass…

Die etwas „quer durch den Garten“ strukturierte Kampagne #DIGITALLEBEN ihren Schwerpunkt findet und die Buzzwords beiseite legt. Von Sigmar Gabriel als Wirtschaftsminister erwarte ich, dass er sich vor allem anderen der Frage #9 widmet. Denn ohne Netzausbau müssen wir über Rest erst überhaupt nicht verhandeln. Das wissen Lüdinghauser Unternehmer so gut wie die vielen Menschen in der Stadt, bei denen „das Netz“ noch aus einem Klingeldraht besteht, der irgendwann zu der Zeit meiner Geburt verbuddelt worden ist.

Das war übrigens 1965!


http://digitalleben.spd.de/
http://digitalleben.spd.de/blog/2014/09/aus-100-koepfen-1000-machen


Alle Beiträge der BLOGparade:

  1. Stef­fen Voß: In einer digi­ta­len Welt zu leben, bedeu­tet für mich…
  2. Doris Aschen­bren­ner: 10 Fra­gen zu #DigitalLeben
  3. Phil Gabriel: Blog­pa­rade Digi­ta­les Leben
  4. Maxim Loick: #Digi­tal­LE­BEN – mein Bei­trag zur Blogparade
  5. Roland Pan­ter: Irgendwo zwi­schen Gesell­schaft, Zukunft und Internet
  6. Johan­nes Jun­gil­li­gens: Blog­pa­rade: 10 Fra­gen zu #digitalLEBEN
  7. Harald R. Fort­mann: #Digi­tal­Le­ben: 10 Fra­gen an Harald R. Fortmann
  8. Sas­kia Esken: #Digi­tal­LE­BEN 100 Köpfe 10 Fragen
  9. Daniel Schö­berl: Blog­pa­rade: Meine Ant­wor­ten zu #DigitalLEBEN
  10. Andreas Hartl: Gast­bei­trag: Blog­pa­rade #DigitalLEBEN
  11. Yas­mina Banasz­czu: Digi­ta­les Leben – Blogparade
  12. Bob Blume: Blog­pa­rade: #DigitalLEBEN
  13. Thors­ten Ising: In einer digi­ta­len Welt zu leben, bedeu­tet für mich…
  14. Jens Strat­man: Blog­pa­rade: 100 Köpfe 10 Fra­gen #digitalLeben
  15. Michael Engelnk­em­per: Digi­ta­les Leben – 10 Fra­gen zur Digitalisierung
  16. Wil­fried Hoge: Digi­tal­LE­BEN: 10 Fra­gen zur Digitalisierung
  17. Jan Lauer: #digi­tal­LE­BEN — 10 Fra­gen, meine Antworten
  18. Jan-Hendrik Beuth: Ach­tung! Poli­ti­cal con­tent! Blog­pa­rade zu #digitalLEBEN
  19. Chris­tian Bau­meier: #Digi­tal­Le­ben
  20. Lorenzo Tural Oso­rio: Blog­pa­rade zu #digitalLEBEN
  21. Ricarda Kiel: Das Inter­net ist mein Dünger
  22. Sven Buchien: Blog­pa­rade: #Digi­tal­le­ben – 10 Fra­gen der SPD
  23. Sabine Gil­les­sen: Blog­pa­rade „Was bedeu­tet digi­ta­les Leben für mich?“
  24. Jür­gen B: #digi­tal­LE­BEN
  25. Jeff Tichar: #digi­tal­LE­BEN
  26. Susanne Pey­ron­net: Mein #digi­tal­LE­BEN – zehn Ant­wor­ten, über die ich erst­mal nach­den­ken musste
  27. Bern­hard Höpf­ner: Digi­tal Leben #digitalleben
  28. Jan Wes­ter­bar­key: Digi­tal leben
  29. Ole Win­ter­mann: #Digi­tal­LE­BEN der SPD: Der erste Schritt zur Abkehr von #AnalogeAgendaDE?
  30. Dirk Schoemakers: 1000 Köpfe 10 Fragen
  31. Ninia LaGrande: Blog­pa­rade: 10 Fra­gen zum #digitalLEBEN
  32. Chris­tian Pfeif­fer: #digi­tal­LE­BEN – Pau­sa­nias wirft ein Stöckchen
  33. Judith Torma Gonçal­ves: Wie erle­ben wir #Digi­tal­le­ben? – Blogparade
  34. Kath­rin Sebens: 10 Fra­gen zum #digi­tal­LE­BEN – meine 5 Cent dazu
  35. Tho­mas Reis: Zehn Fra­gen der SPD zum Thema #DigitalLeben
  36. Mathias Stein: #digi­tal­LE­BEN — Das Leben in der digi­ta­len Welt
  37. Mareice Kai­ser: Digi­ta­li­sie­rung, Com­pu­ter­liebe & Bar­rie­re­frei­heit
    Mein #digitalLEBEN
  38. Tho­mas Michl: #digi­tal­LE­BEN – 10 Fra­gen und 10 Antworten
  39. Katja Vater: Blog­pa­rade #digi­tal­LE­BEN: 10 Antworten
  40. Hol­ger Ahrens: Blog­pa­rade 10 Fra­gen zu #digitalleben
  41. Marc Oli­ver Nis­sen: In einer digi­ta­len Welt zu leben, bedeu­tet für mich…
  42. Fabian Dei­tel­hoff: Blog­pa­rade digi­tal­LE­BEN: zehn Fra­gen und meine Ant­wor­ten dazu
  43. Anna-Lena Mül­ler: Blog­pa­rade #digitalLEBEN
  44. Klaus Bött­ger: 10 Fra­gen – #SPD #Digi­tal­Le­ben #Blogparade
  45. Björn Uhde: blog­pa­rade // meine antworten
  46. Tobias Lud­wig:  #digi­tal­Le­ben — Chan­cen für alle nutz­bar machen
  47. Nor­bert Tuschen: Blog­pa­rade: #Digitalleben
  48. Chris­tian Spließ: Die SPD und das #digitalleben
  49. Mr. Web: 100 Köpfe 10 Fra­gen, Digi­tal Leben
  50. Oli­ver Weyhmül­ler: Meine Ant­wor­ten zur Blog­pa­rade #DigitalLEBEN
  51. Wibke Lad­wig: Wenn wir beden­ken, dass wir alle ver­rückt sind, ist das #Digi­tal­LE­BEN erklärt
  52. Ste­fan Bor­chert: #Digi­tal­le­ben
  53. Sascha Walk: Bei­trag zu Blog­pa­rade #digitalLEBEN

Bild: SPD

Über Klaus Böttger

Klaus Böttger ist Redakteur / Webmaster dieser Seite und außerdem Beisitzer im Vorstand der SPD in Lüdinghausen. Sein "Digitales Manifest" findet sich hier. Er bloggt unter anderem auch auf http://westfalenblog.de

Kommentar verfassen




2 Kommentare zu “10 Fragen – #SPD #DigitalLeben #Blogparade